Archive for Juni 2012

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Innovation unter Stress?

23. Juni 2012

Zum Thema Innovation und Stress gibt es viel zu sagen, deswegen ein zweiter Anlauf.

Die Resilienzforschung ist durch die Untersuchung der Kriegsgefangenen in Vietnam (ein trauriger Anlass) so richtig gestartet worden. Klar, Sie sind kein Kriegsgefangener und Ihnen droht nicht Folter und Schlafentzug. Faktum ist aber, dass Umstrukturierung (ein schlimmer Euphemismus) und Rationalisierungsdruck keine echten Helfer zur radikalen Innovation sind. Auch wenn sich die Projektordner auf Ihrem Schreibtisch stapeln und der nächste Reporttermin vor der Türe steht, das ist alles andere als ein Ansatzpunkt für echte Innovationen.

Im Falle der Kriegsgefangenen hatten diejenigen eine stark erhöhte Überlebenschance, die einen Sinn im Leben und im Sein gefunden hatten. Auch hat sich herausgestellt, dass in diesen extremen Bedingungen eine religiöse und/oder meditative Praxis sehr viel weiter hilft.

Also:

  • Legen Sie die Arbeitspriorität am Vortag fest; am selben Tag ist man oft von dringenden, statt von wichtigen Angelegenheiten bedroht. [Buch: The 7 Habits of Highly Effective People: Powerful Lessons in Personal Change von Stephen R. Covey]
  • Der einfachste Trick (den Sie sicher schon kennen) ist das Schreibtischaufräumen, wenn man in der Früh zum Schreibtisch kommt, soll der Schreibtisch möglichst leer sein. Räumen Sie einfach die unerledigten Dinge, die aber nicht erste Priorität für morgen haben, in den Kasten.
  • Wenn Sie als Innovator mit einem Großraumbüro bestraft sind, helfen nur Ohropax und leiten Sie (wenn Sie sicht trauen 🙂 Ihr Telefon zu jemanden anderen um
  • Nichts erzwingen – es ist besser aufzustehen und unter Verweis auf die Projektfülle einfach zu sagen das man noch keine Lösung hat, anstatt Tabletten gegen die Gastritis zu schlucken
  • Und was sagen uns die Untersuchungen der Kriegsgefangenen: nicht der Zwang hilft weiter, nein es ist der Sinn. Und hier meine ich die Überzeugung, das das von Ihnen bearbeite Produkt in Ihrem ethischen Rahmen einen Sinn macht. Also als Telefonkeiler haben Sie hier wahrscheinlich ein Problem. Schwierig ist auch Ihre Situation wenn  das Produkt sowohl positiv als auch negativ eingesetzt werden kann. Mit Verdrängen helfen Sie sich da sicher nicht [Buch: The Soul Loves the Truth: Lessons Learned on the Path to Joy von Denise Linn]
  • Vergessen Sie in Ihrem Stress nicht die innovativste Lösung – Fragen Sie sich ob Sie in dieser Firma richtig sind!

Viel Erfolg

Gottfried Schaffar

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Über den Tellerrand denken

17. Juni 2012

Was meine ich damit? Ich meine, grasen Sie doch einfach andere Denkrichtungen, andere Branchen andere Wirtschaftsräume ab um Lösungsanregungen zu finden. Schätze, das braucht Beispiele:

Nehmen wir an Sie entwickeln ein medizintechnisches Produkt für den breiten Markt, das nicht einfach verkeimen soll. Klar, Sie haben die Produkte, die der Mitbewerb macht, studiert und die Patente von „denen“ ausheben lassen. Aber denken Sie doch an andere Bereiche: wo muss es auch recht keimfrei zugehen? Lebensmittelindustrie sicher, vielleicht bei Kleinkindspielzeug? Welche Wege gehen diese Industrien?

Welche Weltgegenden sind bekannt für Ihre Keimfreiheit – richtig USA. Ein Amerikaner fällt innerhalb 1/1000 sec ins Koma wenn er ein österreichisches Brotkörberl auf seinem Tisch sieht. Welche Wege werden in USA gegangen wenn Ihre „Aufgabenstellung“ verfolgt wird?

Aber vergessen Sie nicht andere Denkrichtungen: was passiert, wenn das Produkt nicht keimfrei ist, welche andere Lösungswege wären da zu gehen? Suchen Sie im Internet solche vom Mainstream abweichende Meinungen. Gibt es vielleicht sogar vernünftige Ansätze „es“ eben nicht zu tun? Vielleicht kann man das gegenüber den Kunden erfolgreich kommunizieren – und einen Kostenvorteil für Ihre Firma und für den Kunden erzielen – das wäre doch etwas!

Aber versuchen Sie auch einen konträren Ansatz technisch (gedanklich oder im Team) durchzuziehen. Spielen Sie das bis zum Ende durch. Was hat das für Implikationen? Welche Lösungswege wären dann zu gehen?

Na, jetzt haben Sie einiges gesammelt, nun können Sie noch die drei Wege kombinieren: also nicht keimfrei und in USA …. hmmm …. na das ist vielleicht wirklich etwas schwierig, das gebe ich zu. Aber das ist auch ein Weg der sich lohnt. Eben die Kombination auch „absurder“ Anforderungen und Ansätze.

Ein anderes Prinzip ist das „Hinaufschrauben der Anforderungen“ und sehen was dann passiert. Fordern Sie von sich „Operationskeimfreiheit“ – was bedeutet das für das Produkt? Was bedeutet das für den Kundennutzen?

Na – jetzt haben wir doch schon 17 Ansätze – wetten, da haben sie einige Goldkörner gefunden.

Viel Spaß beim weiter arbeiten

Gottfried Schaffar

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Innovation effektiv anpacken

10. Juni 2012

Einmal ganz praktisch: Sie sollen das Produkt billiger machen, eine Eigenschaft an einem Produkt verbessern oder vielleicht in der Produktion eine wünschenswerte Information messen. Hier die elementaren drei Bausteine für eine effektive Innovation:

1. Voraussetzung: Information

Gut, ich gehe einmal davon aus, dass Sie sich mit dem Produkt oder der Produktionslinie auskennen – ansonsten wird es denn doch schwierig. Die zweite Voraussetzung – und das schreibt sich einfacher hin als es ist – Sie sollten den „Lösungsraum“ beherrschen. Also, wenn Sie etwas leichter machen möchten müssen Sie vielleicht etwas vom Material, von der Festigkeitslehre, von Korrosion usw. verstehen. Das ist aber meist kein wirkliches Thema.

2. Verinnerlichen

Das Thema muss nun, um effektiv und schnell gelöst zu werden, in Ihnen – im Hintergrund des Bewusstseins – weiter bestehen. Das meint schlicht immer! Wie erreicht man das? Stellen Sie sich das Problemobjekt auf den Schreibtisch – neben das Hochzeitsfoto (das haben Sie ja schon sehr erfolgreich verinnerlicht 🙂 Sie werden immer wieder an Ihr Thema erinnert, immer wieder – bis es im Hintergrund völlig autonom nach Lösungen sucht. OK – der Nachteil ist, Sie arbeiten dann auch im Schlaf und bekommen vielleicht für diese Zeit kein Honorar. Aber es ist echt faszinieren wie das wirkt – plötzlich kommen Lösungswege.

OK, ich lasse nach, wenn Sie Problemobjekte haben die tonnenschwer sind, ja dann dürfen Sie auch ein Foto davon verwenden.

3. Notizheft als Amulett

unentbehrlich: das Notizheftchen als „Talisman“

So wie manche immer und absolut in (na fast) jeder Situation ein Amulett umgehängt haben, brauchen Sie ein Notizheftchen. Grundregel: sofort (!) aufschreiben und das unzensuriert und ungeschminkt. Dazu braucht es Papier und Bleistift. Diese beiden Medien sind noch immer die leichtesten, kleinsten, kompatibelsten Medien.

Wussten Sie, dass man mit einem Bleistift auch mit leerer Batterie schreiben kann?

Bis Sie beim Notebook sind, ist schon wieder 30% „zerarbeitet“ – das ist nicht gut. Ich sitze manchmal im Konzert oder bei einer Feier und ziehe mein zerfledertes Notizheft heraus und notiere etwas Dienstliches.

Viel Erfolg

Gottfried Schaffar

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Innovation mit Gewalt vermeiden

2. Juni 2012

Ich denke, das ist recht einfach:

  • zwingen Sie die Angestellten 20% der Arbeitszeit zum Reports schreiben und 15% ihrer Zeit in Besprechungen zu sitzen (in denen sich jemand gerne reden hört :-); wenn wir dann 10 Projekte haben – na, dann bleiben offensichtlich 6,5% pro Auftrag. Ziemlich sicher hat man damit jede Innovation verhindert.
  • Zumindest werden die Projekte im obigen Beispiel von den Erbsenzählern abgedreht, weil die Entwicklungen 15,4x so lange dauern – rechnen Sie nach. Und klar, es muss sich alles in 2 Monaten amortisieren und das mit 14%p.a. oder war 14% pro Monat gemeint?
  • Das Scheitern von Projekten an den Pranger stellen – damit wird die Risikobereitschaft Null. Aber es hat sich noch nicht überall herumgesprochen, dass eine Innovation etwas mit Risiko zu tun hat.
  • Lassen Sie die Abteilungen gegen einander arbeiten: Competition ist ja sooooooooooooooooo toll und außerdem sooooooooooooooo modern. Wenn sich die Abteilungen dann nichts mehr sagen und nur mehr via Rechtsabteilung verkehren, ist es mit Innovation auch zu Ende. Ach ja – welche Rechtsabteilung? Die gemeinsame Rechtsabteilung ist ja dann eine „Schwachstelle“.
    Obwohl es hunderte Arbeiten in referierten Journalen (wirklich!) gibt, die absolut sicher nachweisen, dass das der größte Blödsinn ist den man machen kann – ja, es wird immer wieder versucht.
  • Man lege als Performanceindikator für die Entwicklungsabteilung die direkte Gewinnmarge fest und knüpfe daran das Budget – diese (unnötigen) Entwickler schaffen sich selber ab – toll.
  • Reporting ist auch eine gute Methode. Man verlange von jedem gemeinsamen Kaffee trinken einen Report. Liest zwar sowieso keiner, aber es redet auch niemand mit jemanden anderen.
  • Ich kenne tatsächlich eine Firma, da treffen sich die an Innovation interessierten geheim und sowieso in der Freizeit um nicht auch noch einen Report schreiben zu müssen. Das nennt man Engagement für die Firma – aber das wird sicher bei der nächsten Umstrukturierung ausgemerzt.
  • Nur nicht mit einer anderen Abteilung sprechen! Vor allem die Leute, die die Probleme täglichen haben sind zu meiden. Die wissen nämlich wo die echten Probleme sind und (Gott sei bei uns!) womöglich auch, wie man sie leicht lösen könnte.

Das kommt Ihnen bekannt vor? Mein Beileid – ansonsten meine echte Gratulation! Das Konkurrenz gut ist, ist zu einer Art Religion geworden. Kritisiert man diese Denkungsweise, wird man oft lächerlich gemacht. Auch eine Art von Inquisition – oder? Tatsache ist, eine freundschaftliche, spielerische Konkurrenz wie zum Beispiel bei der Langlaufmeisterschaft der Firma sind nett. Aber ganz sicher nicht, wenn es um neue Produkte oder Ähnliches geht.

Bitte um Ihre Meinung. Wenn Sie mir einen Kommentar mit Zusatz “Intern” oder so schicken, nehme ich es als Anregung und es wird sicher NICHT veröffentlicht.

Danke für das Lesen

Gottfried Schaffar