Posts Tagged ‘Innovation’

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Tyrannei in der Vorstandsetage

1. Februar 2016

Ich möchte noch ein Beispiel aus Ajahn Brahm „Der Elefant der das Glück vergaß“ bringen. Ich finde, das ist so praxisnah (Zitatanfang)

TYRANNEI IN DER VORSTANDSETAGE

Jane, eine Freundin von mir, hatte in Sydney ihre eigene kleine Firma gegründet. Ein großes britisches Unternehmen interessierte sich für ihre Produkte und es bahnten sich Verhandlungen an, die ein lukratives Geschäft versprachen. Nicht lang, und sie wurde per Mail eingeladen, so schnell wie möglich nach London zu fliegen, um den Vertrag zu unterschreiben. Für Jane und ihre Firma war das der große Durchbruch, von dem sie so lange geträumt hatte.
Jane hatte ein süßes Töchterchen namens Erica. Und obwohl es ihr schwerfiel, das kleine Kind einige Tage lang nicht sehen zu können, war dieser Vertrag für sie und die Zukunft ihrer Familie viel zu wichtig, als dass sie ihn sich hätte entgehen lassen können.
Jane buchte den ersten Flug, auf dem sie einen Platz bekam, und hatte nach ihrer Ankunft in London gerade noch Zeit, im Hotel einzuchecken, sich zu duschen und umzuziehen, bevor sie einTaxi rufen und in die Zentrale des Unternehmens fahren musste. Als sie den Konferenzraum der Geschäftsführung betrat, waren alle Direktoren bereits da –bis auf den CEO, den Vorstandsvorsitzenden.
»Das war reine Zeitverschwendung«, meinte einer der Direktoren zu Jane. »Sie können gleich wieder nach Sydney zurückfliegen. Unser CEO hat heute sehr schlechte
Laune und stimmt dem Vertrag mit Sicherheit nicht zu. Am besten, Sie nehmen die nächste Maschine nach Hause!«
Jane war nicht bereit, so einfach aufzugeben, umso weniger, als sie für dieses Treffen einmal um die halbe Welt geflogen war. »Wenn Sie nichts dagegen haben«, sagte sie also, »warte ich hier auf den CEO.« Dann setzte sie sich in einer Ecke des Konferenzraums still auf einen Stuhl.
Jane meditierte viel. Besonders gern über Güte. Freudvoll ließ sie gerade Mitgefühl für alle Lebewesen in sich aufsteigen, als plötzlich der CEO in den Raum gestürmt kam.
»Was soll das?«, schrie er, als er Jane bemerkte, die mit geschlossenen Augen ganz still auf ihrem Stuhl saß. »Was machen Sie hier?«
Meditation ist so beruhigend, dass einen nicht einmal kurz vor der Explosion stehende Vorstandsvorsitzende aus dem Konzept bringen können. Besonnen stand Jane von ihrem Stuhl auf, ging ohne Angst oder Arroganz auf diesen Vulkan von einem Alphamännchen zu und sagte: »Sie haben so schöne blaue Augen, genau wie Erica, mein kleines Töchterchen zu Hause in Sydney.«
Wie Jane mir später versicherte, waren diese Worte wie von allein aus ihrem Mund gekommen, Sie hatte vorher keinen Gedanken darauf verwendet, was sie sagen würde. Das Ergebnis war verblüffend. Der CEO stand wie angewurzelt da. Sein Hirn schien ihm den Dienst zu verweigern. Über eine Minute lang war er vollkommen verwirrt. Doch allmählich verrauchte sein Zorn. Schließlich lächelte er und sagte: »Ach, wirklich?«
Innerhalb der nächsten fünf Minuten war Janes Vertrag unterzeichnet und der CEO verließ völlig verdattert den Konferenzraum. Als Jane auch gehen wollte, um sich im Hotel ein wenig auszuruhen, wurde sie von den Direktoren aufgehalten.
»Wie ist Ihnen das nur gelungen?«, bestürmten sie Jane. »So etwas haben wir ja noch nie erlebt. Bevor wir Sie ins Hotel lassen, müssen Sie uns deshalb unbedingt noch verraten, was Sie mit ihm angestellt haben.« (Zitatende)

Viel Erfolg

Gottfried Schaffar

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Stress… haben Sie?

24. Januar 2016

Ja diese Woche möchte ich ein bewundernswertes Buch empfehlen: Ajan Brahm „Der Elefant, der dqw Glück vergaß‘ und daraus einfach ein Kapitel zitieren „Die Ursache von Stress“:

(Zitatanfang) 2010 sollte ich auf dem World Computer Congress in Brisbane den Eröffnungsvortrag halten. Ich hatte

Wikipedia: Ajahn_Brahm_Kathina_Day

Wikipedia: Ajahn_Brahm_Kathina_Day

zwar keinen blassen Schimmer von Computern, aber von derlei Petitessen wie völliger Ahnungslosigkeit meinerseits habe ich mich noch nie abhalten lassen. Also nahm ich die Einladung an.
Während meines Vortrags hob ich mein Wasserglas hoch und fragte das Publikum: »Was glauben Sie, wie schwer ist dieses Glas?«
Bevor eine Antwort kommen konnte, sprach ich weiter: »Wenn ich das Glas weiter so halte, wird mein Arm nach fünf Minuten wehtun. Nach zehn Minuten lässt sich der Schmerz schon nicht mehr ignorieren. Und nach einer Viertelstunde leide ich Höllenqualen und bin ein sehr törichter Mönch.
Was also kann ich tun?
Sobald das Wasserglas so schwer wird, dass ich es nicht mehr bequem in der Hand halten kann, sollte ich es für eine Minute abstellen. Nachdem sich mein Arm dann sechzig Sekunden lang erholt hat, kann ich das Glas wieder mühelos hochhalten. Wenn Sie mir nicht glauben, probieren Sie es zu Hause selbst einmal aus.
Sollten Sie sich nach der Ursache von Stress am Arbeitsplatz fragen: Hier haben wir sie. Es hat überhaupt nichts damit zu tun, wie viel Arbeit Sie haben oder wie schwer Ihre Verantwortung wiegt. Es geht ausschließlich darum, dass Sie nicht in der Lage sind, die Arbeit auch mal einen Moment Arbeit sein zu lassen, wenn sie allzu belastend wird, und sich etwas auszuruhen, bevor Sie Ihr Päckchen anschließend wieder schultern.«
Meine Empfehlung kam so gut an, dass sie in The Australien, der einzigen überregionalen Tageszeitung unseres Kontinents, veröffentlicht wurde und es von da aus sogar auf die Website der australischen Börse brachte.
Wenn Sie nicht lernen, die Last auch mal abzulegen und sich etwas auszuruhen, sobald Sie sich gestresst fühlen, leidet die Qualität Ihrer Arbeit, Sie schaffen viel weniger und Ihr Stresslevel steigt. Gönnen Sie sich jedoch um die Mittagszeit ein halbes Stündchen Pause, machen Sie die vermeintlich verlorene Zeit anschließend doppelt wieder wett. Dann erledigen Sie beispielsweise eine Aufgabe, die Sie vorher vier Stunden lang in Anspruch genommen hätte, in nur drei Stunden und das mit exzellentem Erfolg. Das Abstellen des Wasserglases ist deshalb keine Verschwendung wertvoller Lebenszeit, sondern eine Investition, die sich aufgrund der dadurch erhöhten Effizienz Ihres Gehirns mehr als auszahlen wird.
Meine Empfehlung erschien später übrigens sogar auf dem Blog der Harvard Business School. Also hab ich auf der Konferenz in Brisbane ja vielleicht doch gewusst, wovon ich rede. (Zitatende)

Ja, ein tolles Buch und alle Kapitel sind so kurz…

Viel Erfolg

Gottfried Schaffar

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Bisoziation – neues finden, und das orginell

17. Januar 2016

technische Innovation ganz praktisch

Arthur Koestler erfand den Begriff Bisoziation. Mit diesem Verfahren muss man ausgetretene Denkpfade verlassen – na das muss mir doch gefallen. Bei einer Assoziation bewegen sich die Gedanken in einem einzigen Bezugsrahmen und bei der Bisoziation müssen die Gehirne den Bezugsrahmen verlassen … Autsch, das tut weh? Also fangen wir an:

Problemdefinition (1)

Na das klingt ja völlig konventionell – zu früh gefürchtet. Also, wer hätte das gedacht, der Moderator hält die gemeinsame Problemdefinition schriftlich fest.

Freie Assoziation (2)

Vor der Sitzung wurden (meist) 5 Bilder ausgewählt und groß ausgedruckt die mit der Aufgabenstellung ganz sicher nichts zu tun haben. Das können Fotos, Werbeplakate, Gemälde, also einfach alles sein. Die Teammitglieder wählen nun ein Bild aus, es sollte dasjenige sein das die meisten Gedanken, Gefühle und Ideen bei jedem einzelnen auslöst. Jeder ist nun gefragt diese Assoziationen und Gedanken zu artikulieren und der Moderator notiert die Äußerungen. Das ursprüngliche Problem…

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„…nur wenn ich vollkommen sicher bin…“

7. Januar 2016

Neulich stand ich neben zwei Angestellten und (musste) deren Gespräch mitverfolgen: Es ging um Rahmenvorschriften, Qualitätshandbücher und juristische Vorgaben und gipfelte in der Aussage „… ich rühre einen Finger nur noch wenn ich vollkommen sicher bin“.

(c) by_Rainer Sturm pixelio.de

(c) by_Rainer Sturm pixelio.de

Kommt Ihnen das bekannt vor? Die Arbeitswelt ist eingemauert in Vorschriften und Prozesse. Jedes noch so einfache (mit im Prozesshandbuch festgelegte) Problem kann nicht mehr mit Menschenverstand kurzfristig gelöst werden sondern benötigt als mindeste Reaktion ein Telefonat um ein OK (mitgeschnitten – um zu überleben). In komplexeren Fällen geht die Frage über die Rechtsabteilung und die Direktion – denen das Problem erst einmal erklärt werden muss und die (in der Mehrzahl) unwillig sind das es etwas außerhalb des Prozesshandbuches geben kann. Na, der Kunde ist schon lange verdunstet, bis das erledigt ist. Oder?

Wie passiert in so einem Umfeld Innovation? Als beamteter Prozess, behübscht mit neuen Buzzwords?

Woran liegt das? Haben Sie einen Freiraum, ein Portfolio um etwas anstehendes zu lösen? Es widerstrebt mit das Wort „früher“ an prominenter Stelle zu verwenden, aber (pardon) früher hatte der Abteilungsleiter ein Portfolio von vielleicht 50 oder 100 Tausend Euro die er kurzfristig einsetzen konnte. Was soll nun die Bewilligung  der Anschaffung von 55EUR, die 7 (oder mehr) Unterschriften haben muss?

Wo sind die Managementberater die den Kostenfaktor solch einer überbordenden Komplexität thematisieren? Aber an Komplexität kann man als Berater gut verdienen und Komplexität mit Komplexität zu bekämpfen ist eine Gelddruckmaschine.

Können Sie das Thema „Kosten der Komplexität“ in Ihrer Firma fair thematisieren? Gratulation und…

…weiterhin viel Erfolg 2016

Gottfried Schaffar

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Geld als Anteiz für Innovation?

5. Dezember 2015

Das ist eine Information die ich von http://lifehag.com/2015/10/09/geld-als-anreiz-voll-daneben/ bekommen habe. Bitte unbedingt anschauen!

Haben Sie es sich angesehen? Darf ich Ihnen eine „Hausübung“ geben? Überlegen Sie sich aufgrund dieser unwiderlegbaren Tatsachen die hier vorgebracht wurden und seit den1950er Jahren bekannt sind was das für Implikationen für den Innovationsprozess in Ihrer Firma hat. Als Zweites rege ich an, dass Sie nachdenken wie Ihre Firma strukturiert werden müsste wenn man diese Erkenntnisse vollständig umsetzt.

Viel Erfolg

Gottfried Schaffar

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Umrechnen auf Geldwert?

7. November 2015

Jeder rechnet alles in Geldwerte um … oder irre ich mich? So kann man eben in der Wirtschaft vergleichen: Produktionsmethode A verglichen mit Produktionsmethode B; Investition A mit der Investition B, Äpfel mit Birnen?

Schon in den 1920er-Jahren warnten Soziologe vor den Verwendung des Einkommens als einzigen Sozialindikator … mit wenig Erfolg außer in Publikationen.

Ich darf zu einem Experiment einladen – OK, es ist ein bisschen mathematisch und abstrakt aber einfach. Bitte stellen Sie sich eine Welt vor, eine Welt in der der Raum nicht drei Dimensionen (Länge, Breite und Höhe) hat sondern nur eine (Länge z.B.). Mithin schaut diese Welt aus wie eine Gerade, dieses Universum ist also eine unendliche Gerade und die Bewohner sind Strecken (die sich vielleicht herumbewegen). Für so ein Wesen ist ein winziger Punkt auf dieser Geraden ein unüberwindliches Hindernis – „er“ kann ja nicht herumgehen – das wäre eine zweite Dimension.

„Möbius strip“ von David Benbennick - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:M%C3%B6bius_strip.jpg#/media/File:M%C3%B6bius_strip.jpg

„Möbius strip“ von David Benbennick – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:M%C3%B6bius_strip.jpg#/media/File:M%C3%B6bius_strip.jpg

Genau diesen Effekt haben wir aber bei der Umrechnung in Geldwert – eine eindimensionale Sichtweise. Hindernisse können oft unüberwindlich sein (scheinen). Diese Geldwerte oder irgendwelche Kennzahlen verkürzen die „Wirklichkeit“ also völlig unzutreffend, aber einfach zu verstehend. Schlichte Gemüter (nein, ich erwähne das Wort Controller hier absichtlich nicht) fühlen sich aber mit so einer Sichtweise sicher: Die Aussage ist ja „es kann nicht funktionieren – weil das ist zu teuer“. Die Wirklichkeit hält sich aber nicht daran und der Mitbewerber überholt uns dann.

Dieser Effekt der missverstandenen unüberwindlichen Hindernisse bleibt bestehen, auch wenn wir 2, 3 oder noch mehr Kennzahlen und Bewertungen in die (ach so) wissenschaftliche Untersuchung einbeziehen. Nehmen wir den Fall mit zwei Dimensionen (Länge, Breite): ein Strich (Gerade) ist hier genauso völlig unüberwindlich – ein dreidimensionales Wesen kann aber den Strich übersteigen. Für das zweidimensionale Wesen ist das unmöglich – ein Wunder – das muss illegal sein.

Sie können beliebig viele solche Dimensionen hinzufügen – es wird nur für die menschliche Vorstellung schwierig – sonst ändert sich nichts: unüberwindliche Hindernissen im n- dimensionalen- Raum können im n+1-dimensionalen Raum „überstiegen“ werden. Die scheinbare (illusionäre) Sicherheit, die solche Vergleiche vortäuschen kann ganz schlimm in „die Hose“ gehen. Die Methode ist also prinzipiell ein Fehlansatz? Nein, man kann sie mit Umsichtverwenden. Aber da sind meiner Meinung nach drei Ansätze wichtig:

  1. Alle Werte und Ausgangswerte haben Unsicherheiten, die man genauso „schätzen“ kann wie die Ausgangswerte. Und dann kann man, mithilfe der Fehlerfortpflanzungsrechnung, die zu erwartende Unsicherheit des finalen Vergleichswertes berechen (wenn man will und das gelernt hat – ist nicht schwierig). Das übliche Vorgehen: Variante A ergibt eine Kennzahl (Gewinnerwartung z.B.) von 134.75 und die Variante B 164.16 – OK – super wir machen B…. oder? Sieht man sich vielleicht die Unsicherheit der beiden Werte an (Beispiel:) A: 134.75 +/- 63 und B 164.16 +/- 79 so sehen wir, dass die Wertebereiche sich in weiten Bereichen überschneiden. Die Aussagekraft der Zahlen ist also Null – klar, das muss nicht so sein.
  2. Eine „ausreichende“ Anzahl von Kenngrößen (Dimensionen) wählen. Also ein Modell der Wirklichkeit, das mit „ausreichender“ Genauigkeit Aussagen für diesen Fall ermöglicht. Die Ermittlung so eines Modells ist aber zeitaufwändig (wir haben dazu aber keine Personalkapazitäten mehr), erfordert eine langjährige Praxis und Erfahrung (wir haben aber die langjährigen Mitarbeiter aus Kostengründen schon entfernt und vielleicht auch nie jemanden gehabt der sich mit solchen Problemstellungen befasst). So etwas kann man nicht in einer 30 Minuten Workshop-Sitzung „erledigen“ –  ja ich weiß, unsere 3 Direktoren machen das in 5 Minuten? Na ja.
  3. Eine negative Aussagen aus Punkt 1 und 2 ist nicht als final anzusehen. Wir wissen ja, der mit einer Dimension mehr kann über dieses Hindernis einfach übersteigen. Hier ist der einzige Weg nicht nur dem „Workshop-Gremium“ sondern auch Außenstehenden die Aufgabe zu stellen die Entscheidung mit neuen Ideen zu Fall zu bringen. Dazu brauchen die „Außenstehenden“ aber ein Zeitkontingent!

Damit sich aber jemand traut eine gegenteilige Meinung zu vertreten, muss in der Firma Vertrauen (und nicht der Rotstift) und ein kollegialer Umgang auch über mehrere Hierarchien herrschen (Herr Direktor – nein das stimmt so nicht). Vergleichen Sie das Arbeitsklima in Ihrer Firma mit dem, in diesem Absatz geschilderten als Hausübung.

Sie sehen – die 5 Minuten – Lösungen sind genauso gut wie Würfelentscheidungen. Ist das der Grund, warum Startups den Großen manchmal um die Ohren sausen? Ist ja gut, dann kauf ich mir die Kerle…

Ja auch wenn manche Entscheider teuer sind, manche Entscheidungen sind billig.

Viel Erfolg … trotzdem

Gottfried Schaffar

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… warum sind da so wenig Innovationen?

1. November 2015

In der Zeitschrift „der Standard“ war am 21.10.2015 die Antwort – oder?

Viel Erfolg

G. Schaffar

Der Standard 21.10.2015; Karin Bauer

Der Standard 21.10.2015; Karin Bauer

 

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Make it! Make-Szene

12. Oktober 2015

Von der Industrie weitgehend unbemerkt, wächst eine Bewegung (ob es eine Massenbewegung wird ist unklar) der technischen Selbsthilfe und des kreativen Probierens neuer Möglichkeiten. So zum Beispiel sind aus der

RaspberryPi (c) Wikipedia; Philipp Bohk

RaspberryPi (c) Wikipedia; Philipp Bohk

veranschlagten Auflage eines Mini-Schulungscomputer (z.B. Raspberry Pi; ~25€) von 20.000 eine Produktion von mehr als 60.000 pro Tag (!) geworden! Was heißt das für „unser“ Innovation und dessen Management? Also meiner Meinung nach:

  1. Eine Generation von Probierern wächst heran. Das ist nichts Schlechtes, nein das probieren ohne jede hier zu berücksichtigende Differentialgleichung lösen zu können bietet einen unbekümmerten und vor allem offenen Blick auf die anstehende Problematik. Manchmal werden hier Lösungen gefunden, die echt verblüffend sind – OK, man / frau braucht halt länger aber sie finden etwas!
  2. Hier kommen auch Mitarbeiter in Kürze auf den „Markt“ die probieren wollen und ganz sicher wegen 200€ Budget nicht den 18 Seiten Formularantrag ausfüllen möchten und dann durch 13 Stage-Gates Spießrutenlauf zu müssen
  3. Die Werkzeuge zur Datenerfassung, Regelung, Aktoren und Sensoren kann man um das Taschengeld Ihres Sohnes kaufen. Das bietet eine mehr als rechhaltige Experimentierpalette auch für die geschrumpelten F&E-Abteilung – der Wille sich einzuarbeiten vorausgesetzt. Klar, nicht alles kann man so lösen, die Bruel&Kjaer Geräte und die Tektronix Ausrüstung hat noch immer ihre Berechtigung.
  4. Ein Potential an Zeit muss allerdings da sein aber das wichtigere Potential Motivation wird durch diese Beschäftigung stark gefördert.
  5. Ohne Hands-On geht nichts. Also nichts mehr mit gescheit-reden und outsourcen.
  6. Da gibt es aber außerdem noch eine nicht zu vernachlässigenden zusätzlichen Aspekt im Zusammenspiel zwischen F&E und dem Vertrieb: Die Kunden die in der Make-Szene auch nur ein wenig engagiert sind, lassen sich nur einmal hereinlegen. Also Spezialentwicklungen der F&E(?) damit das der Kondensator nach 2000 Stundenkaputt ist oder iPhones die nur mit Spezialwerkzeug öffenbar sind um dann den alten Akku als eingeklebt vorzufinden sprechen sich in Windeseile herum. Also technische Güte scheint wieder gefragt zu sein und weniger Style?
  7. Vorsicht Controller-Irrsinn: wenn jetzt die Entwicklungsbudgets auf 300€ schrumpfen und Zeit und Freiheit nicht mit geliefert werden würde ich die Firma verlassen.

Kaufen Sie sich doch eine Ausgabe der Zeitschrift „Make:“ (9,90€). Sehr viele Schulen haben diese Zeitschrift für Lehrer abonniert!

Viel Erfolg

Gottfried Schaffar

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Taekwondo & die Kunst der Innovation?

20. September 2015

Jeder – so glaube ich – hat von diesen fernöstlichen Kampfsportarten gehört oder sie in den Medien gesehen. Taekwondo ist eine davon. Aber was hat das Schreien und Zertrümmern von massiven Holzbrettern mit Innovation zu tun?

Nun, ich dachte immer „gar nichts“ bis ich am 19. September 2015 um 09:05 auf Ö1 die Sendung „Hörbilder“ gehört hatte. Investieren Sie eine schwache Stunde und hören Sie sich das an (7 Tage ist die Sendung online):
http://oe1.orf.at/programm/415303

Meine sehr kurze Kurzfassung:

  1. Es ist eine Kunstform
  2. Emotion zerstört
  3. Gedanken stören massiv
  4. Zeit (zum lernen) muss sein
  5. menschliche Achtung vor dem Gegner

Ich kann es nur bestätigen:

  1. Freude am Entstehen einer Lösung – das Einholen von Umfragen in der Firma oder die Vorausplanung eines Budgets zementiert den Misserfolg
  2. etwas unbedingt oder als Revanche finden wollen funktioniert nicht
  3. die besten Lösungen entspringen der Gedankenlosigkeit
  4. Zeit um die Lösung mit Freude zu entwickeln, Zeit um die Einsetzbarkeit zu diskutieren und Zeit damit sie reifen kann
  5. menschliche Achtung

Sie sehen wieder einmal: der Stage-Gate-Prozess zum Siegen bei Taekwondo mit Zeitplan und Budgetlimits dürfte nicht sehr gut funktionieren. Warum sollte er in einer Firma Exzellenz hervorbringen?

OK, nicht alles was hinkt ist ein Vergleich aber denken Sie es einmal durch…

Viel Erfolg

Gottfried Schaffar

PS.: Wien hat 22 Clubs und Niderösterreich 18 – schauen Sie auf http://www.oetdv.at/ doch nach.

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Der Computer macht alle gleich?

13. September 2015

Das hört man in den Betrieben öfter, spätestens beim Leider-Geht-Nicht-Mehr-Danke-Gespräch: „der Computer hat große Teile Ihrer Arbeit ja jetzt übernommen“. Na prost!

Aber die späte Genugtuung ist da? Na ja, Schadenfreude ist nicht motivierend und auch nicht innovationsfördernd. Aber der Karriere-Standard vom 20.6.2015 brachte die Botschaft „iCEO: der virtuelle Manager ist auch schon da“. Ein echt interessanter Artikel von Adrian Lobe – lesen Sie ihn im Original.

In einem Test hat das Programm „iCEO“ die Organisation eines Berichtes für einen prestigeträchtigen Kunden (Fortune 50 Unternehmen) zu managen. Der „iCEO“ schaffte das in 3 Tagen ohne menschliche Interaktion, typischerweise braucht ein normaler Manager dazu mehrere Wochen. Ja, genau: das einstellen der Parameter für die Aufgabe des „iCEO“ brauchte auch ein paar Stunden Zeit. Offensichtlich ist es einfach, eingespielte Vorgangsweisen im Management zu automatisieren.

Der Fahrdienstleister Uber hat kein mittleres Management: alles läuft über den Einsatzcomputer…

Fakt dürfte sein, dass diese Automatisierung ein Heer von Leiharbeitskräften erzeugt das nur mehr virtuell dem Unternehmen zuarbeitet.

Na keine wirkliche Motivation für Innovation…

Viel Erfolg

Gottfried Schaffar

PS.: die Software (falls Sie sie kaufen möchten) ist von Institute for the Future of Work