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Wozu Innovation?

21. Dezember 2009

Firmen haben kein „angeborenes“ Bedürfnis, Innovationen zu entwickeln. Meist ist es der Markt, der direkt oder indirekt zur Innovation zwingt. Das kann durch notwendige Kosteneinsparungen, durch sinkende Verkaufszahlen oder bei Auftreten von Qualitätsproblemen der Fall sein. Nur in eher seltenen Fällen planen Firmen das Produkt von Morgen und Übermorgen bereits heute. Wenn die Verkaufszahlen sinken, brennt naturgemäß schon der Hut. Zusammensetzen und im Sinne eines Brainstorming orthodoxe und unorthodoxe Vorschläge sammeln reicht nicht. Die Ideenfindung, die sicherlich am Anfang der meisten Innovationsprozesse steht, ist stark gefährdet, wenn dieser Vorgang im Saft der eingesessenen Experten schmort. Hier werden oft budgetäre Hindernisse oder personelle Engpässe als rationalisierte Argumente verwendet, um Angst vor Misserfolg oder Bequemlichkeit zu kaschieren. Mitarbeiter streben von sich aus nach Kontinuität und einer klaren, feststehende Strukturierung der Arbeitsabläufe.

Innovationen stehen zusätzlich noch den meist kurzfristig orientierten Renditeinteressen von Gesellschaftern und Eigentümern entgegen. Innovation kostet heute Geld und bringt erst übermorgen Gewinne. Eine Investition in Innovation ist ein Beitrag zur langfristigen Unternehmensicherung; dem wird jeder zustimmen, aber wenn es um konkrete Geldausgaben geht, scheiden sich die Geister. Innovationen setzen flexible Unternehmensstrukturen voraus, die die aufgrund des Innovationsprozesses entstehenden Konflikte ausgleichen können.

Es ist zu wenig, Ideen in der eigenen Abteilung zu sammeln. Was kann man hier sonst noch tun:

  • Sprechen Sie doch einmal mit der Reklamationsabteilung. Die wissen immer, was man besser machen könnte.
  • Gehen Sie mit Ihren Schlüsselkunden essen und plaudern Sie über ihr Produkt. In den USA wurde festgestellt, dass zwischen 70 und 95 % aller erfolgreicher Innovationen von Marktbedürfnissen ausgelöst wurden.
  • Besuchen Sie die Internetpräsentationen Ihrer unmittelbaren Mitbewerber; hier kann man sehen, womit sie sich gerade beschäftigen
  • Eine Abfrage von Patentdatenbanken nach den Patenten ihrer Mitbewerber der letzten 3 Jahre liefert sehr klar die Themen, mit denen sich die Entwicklungsabteilungen ihres Mitbewerbs beschäftigen.
  • Gehen Sie durch die eigene Produktionshalle und sprechen Sie mit den Menschen; sie wissen am besten, was man anders und rationeller machen könnte. Aber sprechen die Mitarbeiter frei mit Ihnen darüber oder haben sie Angst, dann Zusätzliches leisten zu müssen oder eine Prämie zu verlieren?
  • Wie ist die Kostenstruktur des Produktes? Gibt es irgendwo einen teuren Materialeinsatz, einen hohen Arbeitsaufwand?
  • Externe Berater können dem Innovationsprozess sowohl in technischer als auch organisatorischer Hinsicht Beine machen; steht der Firmenstolz „Wir machen alles selbst“ dem Einsatz von Externen entgegen?

Wichtig ist die Tatsache, dass alle gewonnenen Ideen unbedingt einer Bewertung unterzogen werden müssen. Die Bewertung muss klarerweise die technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Aspekte der Innovation abdecken. Die in der Bewertungsphase erfolgreichste Innovation wird üblicherweise über den Bau eines Prototyps und einer Testphase im praktischen Einsatz zum fertigen Produkt weiterentwickelt. In all diesen Phasen sind vier Fragen immer wieder zu stellen:

  1. Ist das Produkt am Markt durchsetzbar?
  2. Ist das Produkt technisch machbar?
  3. Ist das Produkt betriebswirtschaftlich sinnvoll?
  4. Ist das Produkt ökologisch vertretbar?

Das Bedürfnis nach Innovation folgt entweder einem Erfordernis an Veränderung im Produktsegment oder einer langfristigen Firmenplanung, erfolgreich kann beides sein, billiger nur zweiteres.
Gefahr für die Innovation

Die Marktattraktivität eines innovativen Produktes ist vor allem durch die Substitutionsgefahr bestimmt. Die Substitution eines Produktes muss nicht immer technisch erfolgen, die Substitution kann auch organisatorisch drohen. Vor einiger Zeit entwickelten wir für einen Kunden eine technische Lösung, um den unteren Teil der Einkaufswagen an der Kasse des Supermarktes automatisch zu überprüfen. Die organisatorische Substitution dieser Innovation war die Anbringung einer Nummer am Einkaufswagen, die nur bei leerem unterem Korb gesehen werden kann. Diese Nummer muss nun vom Kassenpersonal eingegeben werden; damit wird sichergestellt, dass keine Ware im unteren Korb „vergessen“ wird. Eine technische Lösung ist somit nicht mehr erforderlich.

Es geht nicht so sehr darum, die richtigen Produkte zu „basteln“, sondern vielmehr darum, die richtigen Fragen zu stellen, um so den richtigen Kundennutzen zu erkennen und ihn nachhaltig besser als die Konkurrenz zu befriedigen.

„Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht 5 Computer gibt“ (Thomas Watson, Vorsitzender von IBM, 1943)