Archive for März 2013

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Wie viele Innovationen scheitern?

25. März 2013

Diese Fragestellung wird von manchen Autoren mit Prozentzahlen zwischen 50 und 90 beantwortet.  Wir wollen hier nun einmal ausschließen, dass der Grund für diese Aussage der Wunsch ist, das eigene (natürlich viel bessere) Beratungskonzept zu verkaufen. Auch kann man den Prozentsatz in die Höhe treiben wenn man jeden Zettel der als Vorschlag abgegeben wird zählt. Wenn diese Zahlen sich auf Markteinführungen beziehen wäre das eine Katastrophe.

Wir sind viel in Firmen unterwegs und es wird sehr offen gesprochen, nach unserem Gefühl (keine Statistik) dürfte der wirkliche Prozentsatz weit darunter sein, aber das ist natürlich sicher sehr unterschiedlich. Ja und ein paar Prozent sind auch viel.

Was heißt so eine Prozentzahl einmal nicht? Aktives Suchen nach neuen Lösungen zahle sich nicht aus – das ist Unsinn. Nehmen Sie jeden beliebigen Prozentsatz, wenn man ihn mit mehr Versuchen multipliziert, werden mehr erfolgreiche Innovationen daraus – immer (zu 100% immer!). Mit anderen Worten eine bewährte Methode, wie im Buch „Radikale Innovationen und grundsätzliche Problemlösungen finden – ein Praxishandbuch“ beschrieben, lohnt sich immer!

Dann muss man einmal unterscheiden was das für eine Innovation ist (die da scheitern könnte):

  • Geschäftsfeldinnovationen – die sind besonders gefährdet, da sie aus der Direktion kommen. OK, zugegeben das ist ein Vorurteil.
  • Produktionsprozessinnovationen: Da hat der Betrieb alle Informationen selbst und muss nur das technische Risiko tragen. Technische Risken können zwar nie völlig ausgeräumt werden, aber man kann ja schließlich auch etwas rechnen oder simulieren – das ist viel billiger als herumzuprobieren. Das Risikopotential ist hier gering
  • Einsparungsinnovation: Diese Innovationen, sprechen wir es doch einmal klar aus, sind gegen den Kunden gerichtet. Wir glauben einzusparen wo der Kunde es nicht merkt: ein schwächerer Achsschenkelbolzen (die rechnerische Last ist aufgrund des Ausbrechschutzes sowieso geringer – na ja) oder ein zusätzliches Plastikbein unter dem Vollholzbett damit man die Latte um 0,3mm schwächer machen kann (brillant – wenn die Bedienerin mit dem Staubsauger ankommt bricht das Bett bei heftiger Belastung). Wenn diese Innovation bekannt wird ist der Schaden enorm. Wollen wir wirklich so etwas? Würden Sie so etwas haben wollen?
  • Die Innovation des Sohns vom Chef: da sehe ich in der Praxis ein hohes Risikopotential. Alle, aber auch alle Kontrollmechanismen sind ausgeschaltet. Mit anderen Worten da werden oft Millionen verpulvert – kein weiterer Kommentar.
  • Marketinginnovation: Das Verstecken von Kosten im Kleingedruckten oder die berühmten „besser um bis zu XXX%“ . Die Entwicklung kostet zwar zunächst wenig (fast nichts), aber der Kunde schüttelt den Kopf oder Schlimmeres.
  • Kundennutzeninnovation (Technik, Design, etc.): Der Kunde ist ein unsicherer Faktor – das ist wohl nichts Neues. Hier kommen auch die Methoden sinnvoll zum Einsatz die den Kunden einbeziehen. Der weitere Text bezieht sich nur mehr auf die Kundennutzeninnovation.

Der so oft beschworene Kundennutzen fängt schon einmal sehr unsicher an – was ist das eigentlich? Was ist der Kundennutzen eines Porsches? Die Fähigkeit von A nach B transportiert zu werden (und nur fast ohne Gepäck!). Das doch wohl nicht.

Prinzipiell gefällt mir der Ansatz von Tony Ulwick der den Kundennutzen in verschiedene Jobs aufgliedert (siehe auch http://strategyn.com/blog/). Also den eigentlichen Grund, mit einem Produkt zufrieden (weniger zufrieden, enthusiastisch) zu sein. Seine Methode schein sehr ausgefeilt zu sein, benötigt aber einen offensichtlich hohen Aufwand.

Kundenbefragungen sind prinzipiell eine gute Idee, aber in der Praxis produzieren solche Befragungen ihr eigenes Problem. Was ich so von Kundenbefragungen höre zum Thema Kundenwünsche an „das Produkt“ ist mit hoher Signifikanz die Antwort „billiger“. Dafür der ganze Aufwand? Na ja. Dazu kommen grundsätzliche Problem

  • Der Kunde weiß es vielleicht selbst nicht.
  • Der Kunde geniert sich es zu sagen z.B. „warum er anonym im Internet surfen will“ um ein Beispiel zu nennen. Auch kennt man bei den Wählerbefragungen das Problem, das bei der Frage nach dem Wahlverhalten, bestimmte Parteien oft nicht genannt werden (z.B. FPÖ).
  • Bei Befragungen (mündlich, telefonisch, Fragebögen) bekommen sie nur Antworten von Leuten die nichts zu tun haben oder einsam sind.
  • Die Institute (auch namhafte) verwenden manchmal Befragungspersonal das kaum Deutsch spricht (selbst erlebt) – das kann zu keinen vernünftigen Resultaten führen. Außerdem kann der Kunde keine Aussage treffen über Dinge die er nicht weiß oder nicht kennt.
  • Die Frage „kaufen sie auch bei XXX ein?“ und „mit welchen Umsätzen“ zwingt den Befragten ja geradezu, sich diese Anbieter anzusehen, auch wenn er sie nicht gekannt hat. (Selbst erlebt)

Firmen lieben strukturiertes Vorgehen, möglichst mit einem Coach – im Ernstfall ist der „schuld“. Firmen vergessen aber das „strukturiert“ ein Euphemismus für Vorschrift ist und eine Vorschrift, der Innovation nicht förderlich ist. Innovationen im Personal der preußischen Armee des 19 Jahrhunderts waren selten – oder? OK, da übertreibe ich – persönlich finde ich den Einsatz eines Stage-Gate-Modells (http://de.wikipedia.org/wiki/Stage-Gate-Modell) für außerordentlich gut, da man gezwungen wird sich mit manchen Dingen auseinanderzusetzen die einem (oder dem Team) nicht sympathisch sind. Eigentlich auch etwas strukturiertes – ich gebe den Widerspruch sofort zu.

Faustregeln:

  1. Hausverstand einschalten
  2. Fragen Sie Ihre Großmutter
  3. Würden Sie das Produkt kaufen?
  4. Wie lange muss Ihr Arbeiter arbeiten, um sich das Produkt leisten zu können? Und jetzt rechnen Sie mit diesen Stunden und Ihrem Stundelohn einen Preis aus und Fragen sich „würde ich das Produkt darum kaufen?“
  5. Versuchen Sie nicht den Kunden hereinzulegen.
  6. Der Zwang zum Erfolg eines Projektes erhöht drastisch das Risiko.
  7. Beratungen auf Erfolgsbasis enden beim Richter
  8. Wenn Ihr Kunde nicht der Endkunde ist, wird es umständlich.

Viel Erfolg

Gottfried Schaffar

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Achtsamkeit und Innovation

17. März 2013

Lassen Sie sich einmal folgenden Text aus dem „Thea Koch- und Backjournal“ (http://www.kochundback.at/) auf der Zunge zergehen:

Wie schmeckt eine Rosine?

Welche Aromen stecken in einem Stück Schokolade? Und welche Geschmacksabfolge bringt ein simples Stückchen Semmel, das wir ganz langsam kauen?

Fragen, denen Sie und ich auf Anhieb wahrscheinlich etwas ratlos gegenüberstehen, da wir uns ganz selten auf eine Speise oder ein Lebensmittel so konzentrieren, dass wir davon einen, abgespeicherten` Geschmack genau beschreiben können.

Und dabei entgeht uns viel – ich habe es selbst vor wenigen Minuten ausprobiert: Ich habe eine Rosine auf der Zunge langsam, aufgeweicht, habe mit der Zunge die Form ertastet und dann die weiche Frucht mehrmals durchgebissen. Langsam hat sich auf Zunge und Gaumen ein sehr fruchtiger Geschmack entwickelt, der nach etwa 2 Minuten kauen immer intensiver wurde – bis ich so richtig den typischen Weintraubengeschmack wahrnahm. Köstlich! Mein Tipp: Versuchen Sie, auf diese Weise Speisen neu kennen zu lernen. , Üben Sie … und Sie werden staunen und noch mehr genießen…

Ihr  Rudolf Bruner

Peter Smola @ pixelio.de

Peter Smola @ pixelio.de

————————– Zitatende —————————–

Wir, die wir innovieren, müssen wach und aufmerksam sein um die Möglichkeiten zur Lösung von diversen Problemen sehen zu können. Achtsamkeit ist da eine hervorragende Übung. Es ist auch eine Übung die viel Freude macht. Achtsamkeit erhöht auch ihre Genussfähigkeit – probieren Sie dich die volle Konzentration auf den Geschmack, wenn Sie das nächste Mal in einem guten Restaurant sitzen. Zusätzlich werden Sie Stressresistenter und können sich besser auf ein einzelnes Problem (zeitweise) konzentrieren.

Viel Spaß

Gottfried Schaffar

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Neue Lösungen – eine Vorgangsweise

10. März 2013

Da rauft man herum und bekommt nichts wirklich Brauchbares ins Gehirn…

Eine mögliche Strategie ist die Kooperation in einem Meeting. Mehrere aufgeweckte Geister zusammen bringen immer wesentlich mehr zusammen als die Summe der Denker. Am Anfang steht – wie oft – die Problemdefinition. Aber besprechen Sie die Aufgabenstellung wirklich gründlich, damit implizite unterschiedliche Annahmen ausgeschlossen werden. Dann nehmen Sie ein Wörterbuch und ein „Auserwählter“ schlägt es irgendwo auf und tippt mit dem Finger – ohne zu schauen – auf irgendeine Stelle. Das Wort muss ein Hauptwort sein, ansonsten nehmen sie das darunter stehende Hauptwort. Oder Sie können auch vorher festlegen „auf Seite 177 das 4 Wort“. Das machen Sie fünf oder 12-mal – das kommt auf die zur Verfügung stehende Zeit an.

Die gefundenen Begriffe werden dann in der Gruppe analysiert: was hat er für eine Beschaffenheit, Gewicht, Größe, Materialien, Verwendung. Aber auch ob es z.B.: ein Staussymbol ist, ob er genant ist oder ob er in Märchen vorkommt… Was immer jemandem einfällt, also auch Gefühle, Assoziationen und auch Kosten. Alle Antworten aufschreiben. Zum Abschluss dieser Phase wählt man denjenigeziele setzenn Begriff mit den meisten Assoziationen aus.

In der dritten Phase wird nun das völlig fremde Reizwort mit dessen gesammelten Merkmalen auf die eigentliche Problemstellung angewandt. Klar, das wird nicht immer gelingen, aber es entzündet ein Feuerwerk an Kreativität. Sehr oft kommt man zu Ansätzen die völlig neu und erstaunlich sind. Beachten Sie besonders Parallelitäten und gemeinsame Charakteristika – da sind Ansätze versteckt.

Wenn es sein muss, kann man diese Methode auch alleine anwenden – finde ich aber nicht so anregend. Die Methode heißt in der Literatur Reizwortanalyse.

Viel Erfolg

Gottfried Schaffar

PS.: Foto © Picture-Factory – Fotolia.com

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Heute nicht? Arbeitsmanagement & Innovation

1. März 2013

Vor einiger Zeit schrieb ich einen Artikel mit etwa dem Inhalt, man soll das auch tun was man sich vorgenommen hat, da diesbezügliche Umgehungen schlecht für die eigene Energie, Selbstwert und Effizienz sind. Dazu stehe ich noch immer, allerdings möchte ich auch klar zum Ausdruck bringen, dass das sture Festhalten an einem Plan nicht notwendigerweise erfolgreich sein muss, ja das individuelle Abweichungen manchmal richtig und wichtig sind. Ich hoffe für Sie, dass Sie nicht bei der preußischen Armee sind.

611350_web_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.de

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Der wesentliche Entscheidungspunkt zum Thema Durchziehen oder „etwas anderes machen“ ist der Grund warum man diese Abweichung von einem Vorgefassten Plan machen möchte. Der Hauptgrund ist meistens „mir graut davor“ (oder Varianten davon). Um es vorweg zu sagen, das ist meiner Ansicht nach kein guter Grund. Mein Rat: vermeiden Sie Vermeidung – ein lustiger Satz. (Manche, von mir sehr bewunderte Menschen, sagen sogar: mache zuerst das, wovor Dir am meisten graut!)

Wenn man das Gefühl hat, um ein konträres Beispiel zu geben, „heute wäre aber der Tag um Problem Y zu lösen“ dann gebe ich einem solchen Gefühl (wenn es im Rahmen des Möglichen ist) nach. Und der Erfolg ist zumeist unwahrscheinlich schnell zur Stelle.

Dazu gehört natürlich Ehrlichkeit mit sich selber. Aber wenn wir innovativ sein wollen ist das ja (fast) unbedingte Erfordernis.

Viel Erfolg

Gottfried Schaffar